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Fr, 09.04.2021 um 20:00 Uhr

El Robo del Siglo

Lustige und spannende Erzählung des berühmtesten Banküberfalls in der Geschichte Argentiniens.

El Robo del Siglo

Sechs charmante Ganoven - ein perfekter Plan

Am 6. Januar 2006 erbeutete ein Kommando von sechs Bankräubern in einer Filiale des Banco Rio in Acassuso, einem Vorort von Buenos Aires, rund 19 Millionen Dollar. Niemand kam zu Schaden und alle irgendwie auf ihre Rechnung. Von der Bevölkerung wurden die Bankräuber als moderne Robin Hoods bewundert, weil viele, die zuvor in der Krise ihre Ersparnisse verloren hatten, es als höhere Gerechtigkeit ansahen, dass jetzt auch mal eine Bank an die Kasse kam. Spektakulär war an dem als «Raub des Jahrhunderts» in die Geschichte eingegangenen Kriminalfall nicht nur die Höhe der Beute, sondern vor allem die logistische Perfektion des Überfalls: Während die eine Hälfte des Kommandos durch einen zuvor in wochenlanger Arbeit gegrabenen Tunnel in den Safe im Keller eindrang und dort in aller Ruhe 130 Schliessfächer leerte, hielt die andere Hälfte der Räuber sämtliche in der Bank anwesenden Angestellten und Kunden als Geiseln in Schach, verhandelte mit der angerückten Polizei – und verschwand in einem unbemerkten Moment zusammen mit den Komplizen im Keller durch den Tunnel. Dieser Banküberfall ist in die Geschichte eingegangen als einer der grössten Coups überhaupt und einer der gelungensten.

Die Komödie, die da auf der Basis des realen Geschehens entstanden ist, ist umwerfend. Packend geschrieben, vergnüglich inszeniert, toll besetzt und gespielt mit Diego Peretti (Un amor, Iniciales) und Guillermo Francella (El secreto de sus ojos) und spannend bis zum Schluss: Der Film ist ein echtes Kinovergnügen. Er hat in Argentinien in wenigen Wochen über zwei Millionen ZuschauerInnen im Kino gelockt.

Es war Brecht, der in seiner «Dreigroschenoper » die Fragen stellte: «Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?» Das war 1928. Knapp 80 Jahre später hat der Lebenskünstler Fernando Araujo eine zündende Idee, für die er den charmanten Ganoven Mario Vitette begeistern kann. Die Banco del Rio heisst nicht umsonst so: Das Gebäude müsste eigentlich auch durch den Kanal erreichbar sein, der da unterirdisch durchfliesst. Gedacht und angepackt.

Fernando Araujo ist ein argentinischer Künstler mit einer grossen Liebe für Philosophie, asiatische Kampfkünste und Marihuana. Der Uruguayer Luis Mario Vitette ist der einzige Profi in dieser Branche und auf Einbruch spezialisiert. Sie finden vier weitere Komplizen, die entsprechende technischer, juristische und psychologische Fähigkeiten mitbringen.

Akribisch bereiten sich die sechs vor: Sie beobachten, skizzieren und beschaffen Waffenattrappen. Vitette nimmt Schauspielunterricht und liest Fachliteratur über Geiselnahmen, Araujo spricht mit seinem Psychiater über natürliche Balance, meditiert – und raucht Gras. An Ideen mangelt es Araujo nicht, die besten kommen ihm beim Kiffen. Und so reift ein Plan, ebenso simpel wie genial: ein Täuschungsmanöver, ein sogenannter Express-Raubüberfall. Während zwei Mann die Banco del Rio am helllichten Tag durch die Eingangstür stürmen, klassisch mit «alle auf den Boden und Geld her, sonst knallt's», dringen die anderen durch einen vorgängig gebauten Tunnel in den Tresorraum ein.

Der Bau dieses Tunnels ist eine echte Herausforderung und mehrmals drohen die Männer beinahe aufzufliegen, etwa wenn sie in der Filiale vermeintlich heimlich Fotos knipsen. An einer der dringendsten Fragen reiben sich Araujo und Vitette besonders auf: Wie soll man diesen verflixten Tresorraum bloss öffnen?

Dann ist es so weit. Wenige Minuten nachdem die Ganoven die Bank in Buenos Aires betreten, umstellt ein Grossaufgebot inklusive Sondereinheit die Filiale, Schaulustige bleiben stehen, die Medien berichten, das ganze Land hält den Atem an. Vitette verhandelt freundlich, aber bestimmt mit dem Polizeivermittler (gelernt ist gelernt). Ab und zu lässt man eine Geisel frei, die den Beamten draussen dann erzählt, wie nett die Räuber seien. Und wenn die Polizei den Gaunern die geforderte Pizza liefert (man will etwas essen, bevor man sich ergibt), ist die Truppe längst durch den Abwasserkanal verschwunden.

Ariel Winograd hat sich als Regisseur die Geschichte vorgenommen, am Drehbuch hat Fernando Araujo mitgewirkt, und mit Diego Peretti hat er die perfekte Besetzung seiner Figur gefunden. Der argentinische Star wird von einem zweiten mit ausgesprochenem Flair für gepflegte Schlitzohrigkeit unterstützt: Guillermo Francella. Das kann nicht nur heiter werden – es wird heiter. Klar, Bankraubgeschichten gibt es viele rund um den Globus. Die grössten faszinieren selbst oder gerade unbescholtene Bürger und Bürgerinnen. Na ja, alle sehen wir, dass es erschlagende Ungerechtigkeiten im Besitz gibt. Und wenn wir dann zuschauen können, wie ein paar Typen selbst die psychologisch geschulte Polizei an der Nase herumführen, dann ist das Vergnügen garantiert. Und weil Winograd nicht einfach linear erzählt, erhöht sich der Spass am Ganzen zum Genuss.

Ein sympathisches und vor allem lustiges Heistmovie, dessen Charme man sich wegen der dreisten Diebe nur schwer entziehen kann. Ein echter Publikumsliebling, an den man sich noch länger mit einem Lächeln zurückerinnern wird.

Drehort
Argentinien 2020
Laufzeit
114 Minuten
Regie
Ariel Winograd
Produktion
AZ Films
Verleih
Trigon
Genre
Heistmovie, Krimikomödie
Musik
Dario Eskenazi
Darsteller*innen
Guillermo Francella, Diego Peretti, Luis Luque, Pablo Rago, Rafael Ferro, Mariano Argento, …
Sprache
Spanisch/d

Altersempfehlung
16

Links
Bilder, Stimmen, Regisseur, Hauptdarsteller

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